KAUFMÄNNISCHE LEHRANSTALTEN | Berufsbildende Schulen für Wirtschaft und Verwaltung

Neue Wege der Unterrichtsgestaltung

Überblick

"Ich unterrichte meine Schüler nicht. Ich schaffe Bedingungen, unter denen sie lernen können." (Albert Einstein)

Lernen bedeutet, hinterher etwas zu können, was man vorher nicht konnte. Erfolgreiches Lernen findet nach Manfred Spitzer bei allem statt, dem wir uns ganz widmen und das wir mit Lust und Neugier machen (vgl. Spitzer (2002): Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens). Lernen passiert also nicht nur in der Schule und ist keinesfalls die natürliche Reaktion auf Lehren (Herold / Herold (2011): Selbstorganisiertes Lernen in Schule und Beruf).

Wir nutzen die aktuellen Erkenntnisse der Lernforschung, um Lernumgebungen so zu gestalten, dass unsere Schülerinnen und Schüler in der KLA und lebenslang erfolgreich lernen können. Dabei bleiben wir nicht bei dem Erreichten stehen, sondern erkunden immer wieder "neue Wege der Unterrichtsgestaltung".

Neue Wege der Unterrichtsgestaltung

Leitung: Sven Heidemeyer

Telefon: 0471 39135 30
Telefax: 0471 39135 59

E-Mail: Schreiben Sie Herrn Heidemeyer eine Mail

Was sind "Neue Wege der Unterrichtsgestaltung"?

"Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll." (Georg Christoph Lichtenberg)

Neue Wege der Unterrichtsgestaltung ...

...beziehen sich auf den Kernprozess der Schule: Den Unterricht, der für uns mehr ist als die bloße Vermittlung von Prüfungswissen.

...basieren auf Erkenntnissen der Hirnforschung, der Bildungsforschung, dem Konstruktivismus, der Organisationsentwicklung und dem Austausch mit anderen innovativen Bildungsträgern und der betrieblichen Praxis.

...beinhalten einen proaktiven Umgang mit Veränderungen der Einflussgrößen von Unterricht.

...beschreiben eine grundsätzliche Haltung dem lernenden Menschen gegenüber.

...beachten 10 Dimensionen der Ganzheitlichkeit.

...brechen alte Muster auf und verändern den Schulalltag

...werden zunächst von Pionieren beschritten.

...führen hinaus aus der Schule, aus dem Elfenbeinturm und holen das echte Leben in die Schule.

...beinhalten Ziel- und Regelkreisläufe als energetische Stützen

...machen Lernprozesse genial: gehirngerecht, eigenverantwortlich, nachhaltig, individualisiert, arbeitsteilig und leistungsorientiert.

Warum "Neue Wege der Unterrichtsgestaltung"?

"Wir bleiben nicht gut, wenn wir nicht immer besser zu werden trachten" (Gottfried Keller).

Schule funktioniert heute nicht mehr so wie früher, denn die Schüler sind nicht mehr so wie früher.

Auch die Inhalte und beruflichen Anforderungen an Absolventen unserer Schule sind ganz andere als früher und auch Lehrpläne und Prüfungen verändern sich. So wie das Leben, auf das die Schule vorbereiten soll ...

Deswegen erkunden wir verschiedene neue Wege, die alle in eine Richtung führen: Nach vorne!

Dabei spielt auch die Gesunderhaltung des Systems Schule eine Rolle. Angesichts der hohen Zahl an stressbedingten Frühpensionierungen im Lehrerberuf, der hohen Frequenz von teuren Nachhilfeeinrichtungen, dem zunehmenden Konsum leistungssteigernder Substanzen und dem oftmals frustriert beklagten sinkenden Bildungsniveau eine nicht zu unterschätzende Aufgabe! Und ein Hinweis darauf, dass nicht alle "alten Wege" in die richtige Richtung führen.

Reiseberichte

"Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!"

Stufen zum Erfolg

Junge Menschen sollen fit sein, fit für ihre persönliche und berufliche Zukunft. Dabei ist das Fachwissen wichtig, sehr wichtig sogar. Die überfachlichen Kompetenzen sind es allerdings auch und diese zu entwickeln und zu fördern haben sich die Lehrer(innen) der KLA auf die Fahnen geschrieben.

Unter Leitung der erfahrenen STUFEN-Mastertrainerin Steffi Adam-Bott aus Köln wurden bisher 9 unserer Lehrkräfte zu STUFEN-Pädagogen ausgebildet und machten so die KLA zur ersten STUFEN-Schule im Land Bremen.

Im Schuljahr 2016 / 2017 haben die 9 Pioniere einen ersten STUFEN-Tag in der Unterstufe der Zweijährigen Höheren Handelsschule und in der Q1-Phase des Beruflichen Gymnasiums durchgeführt. Das Feedback hat uns ermuntert, solche STUFEN-Tage regelmäßig durchzuführen - und an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen ...

Selbstorganisiertes Lernen

Das selbstorgansierte Lernen (SOL) nach Dr. Herold ist zu einem Markenzeichen unserer Schule geworden. In diesem systemischen Ansatz wird die Fähigkeit zur bewussten Selbstorganisation als Kompetenz systematisch und schrittweise entwickelt. Eine SOL-Lehrkraft wird dabei zum Regisseur des Lernens - und wacht über die Gelingensbedingungen, wie z. B. eine ausreichende Lesekompetenz der Schüler(innen)! Nach und nach verändert sich so der Alltag in immer mehr Bildungsgängen.

Wie funktioniert Selbstorganisiertes Lernen (SOL)?

Die Frage, was SOL ist und wie es funktioniert lässt sich kaum in einem Satz beantworten. Im Prinzip ist SOL ein systemisches Unterrichtskonzept, dass sich an der natürlichen Arbeitsweise des Gehirns orientiert und versucht, schulisch initiierte Lernprozesse darauf abzustimmen. Wie sieht das konkret aus?

In einem Unterricht, der auf die Selbstorganisation der Lernenden ausgerichtet ist,

  • Zeigt die Lehrkraft den Lernenden z. B. mithilfe eines Advance Organizers (einer Lernlandkarte) zu Beginn eines Themas wie dieses mit ihrem täglichen Leben zusammenhängt und schafft so von Anfang an die Möglichkeit, den Lernstoff mit Vorerfahrungen zu verknüpfen.
  • Zeigt die Lehrkraft den Lernenden außerdem Selbstlernverfahren. Diese Er- und Verarbeitungstechniken wenden die Lernenden zunächst unter Anleitung, später zunehmend eigenverantwortlich an.
  • Werden die Lernenden von der Lehrkraft angehalten, sich über ihre eigenen Ziele bezüglich des Unterrichts klar zu werden und deren Erreichung mittels eines Zielkreislaufs kontinuierlich zu reflektieren.
  • Planen die Lernenden auf der Grundlage von Kann-Listen eigenverantwortlich, welche Ziele sie erreichen wollen und dokumentieren ihren Lernprozess.
  • Kümmern sich die Lernenden selbst darum, dass sich ihr Punktekonto (als Grundlage für die Benotung der "Sonstigen Mitarbeit") füllt und sie sich ihrem Ziel nähern.
  • Übernehmen die Lernenden in Teams Verantwortung für sich, für andere und für das Thema
  • Werden Erfolge sichtbar gemacht, aber auch Energien, die vom Ziel wegführen, sodass der Weg durch Lernberatungen neu ausgerichtet werden kann.

 

SOL in der KLA - und darüber hinaus

Ursprünglich in Ulm von Dr.Martin Herold entwickelt, hat sich das Unterrichtskonzept SOL inzwischen weit verbreitet. Auch bei uns: Im Vollzeit-Bereich zum Beispiel im Beruflichen Gymnasium. Aber auch im Teilzeit-Bereich bauen die Auszubildenden ihre Selbstorganisationskompetenz aus. SOL-Lehrkräfte unterstützen dabei vor allem die Auszubildenden in den Bereichen Büromanagement, Großhandel und Einzelhandel durch einen Unterricht, der konsequent die acht Prinzipien des Selbstorganisierten Lernens beachtet.

Der regelmäßige Austausch unserer Pioniere mit unseren Partnerschulen in Herford und Warburg wirkt dabei immer wieder als energetische Stütze auf dem Weg in die nächste Komfortzone.

Die Fortschritte unserer Entwicklungsarbeit blieben dabei nicht unentdeckt. Zahlreiche andere Schulen haben sich über unser Wirken informiert und sich inspirieren lassen. 

Die Lernlandschaft im Bildungsgang Einzelhandel

Idee:

Seit 2007 lernen Klassen des Fachbereiches Einzelhandel erfolgreich nach dem Prinzip des Selbstorganisierten Lernens. Dabei stieß das Klassenraumkonzept zunehmend an seine Grenzen. Der dem individuellen Lerntempo angepasste Wechsel von kommunikativen Gruppenarbeitsphasen und individueller Verarbeitung, ergänzt mit Lernberatungen ließ sich in einem Raum nicht lernförderlich darstellen. Insofern lag es auf der Hand, die Lernumgebung den Aktivitäten des Gehirns und den Bedürfnissen der SuS für effektives Lernen anzupassen. Die Eröffnung mit dem Schuljahr 2015/16 und Etablierung unserer Lernlandschaft zeigen inwieweit die Unterrichtsorganisation Einfluss und veränderte Anforderungen an die Schulorganisation hat.

Effiziente Impulssetzung: Der Präsentationsraum

Nach wie vor braucht Schule einen Raum, in dem die Klasse und ihr Lehrer "für sich" sein können. Im eigens dafür hergerichteten Präsentationsraum werden Verwaltungsaufgaben insofern sie die ganze Klasse betreffen, Feedbackrunden im Klassenverband und vor allem die Begeisterungsphasen (Inhaltliche und methodische Vorstellung, Besprechung der Aufgabenstellungen und Ziele der Lerneinheit) am Anfang einer neuen Lerneinheit verortet. Ebenfalls finden dort Präsentationen im Klassenrahmen statt.

Individuelles Arbeiten: Die Einzelarbeitsräume

Lernen, d.h. kurz gesagt die Herstellung und Festigung von neuronalen Verbindungen im Gehirn, ist bekanntermaßen eine hochgradig individuelle Angelegenheit. Für die Vorbereitung der Gruppenarbeitsphasen und vor allem die individuelle Verarbeitung (das Lernen) stehen unseren Schülerinnen und Schülern derzeit drei Einzelarbeitsräume zur Verfügung. Diese sind mit Einzelarbeitsplätzen oder PC-Tischen ausgestattet und stehen den Schülerinnen und Schülern jederzeit frei zur Benutzung. Da es hier um individuelle Lernprozesse geht und es keinen Redebedarf gibt herrscht in diesen Räumen "Bibliotheksruhe".

Austausch und Synergien: Die Gruppenarbeitsräume

Fördernde Lernumgebungen müssen auch Raum für (soziale) Bedürfnisse wie Kommunikation, Eingebundensein, Vergewisserung durch Austausch usw. bieten. Diese interaktiven Phasen werden idealerweise in kleinen (3-4) Gruppen gelebt. Dafür braucht die Gruppe eine "Lerninsel" für sich. Diese "Inseln" versuchen wir durch Gruppentische, mit Trennwänden voneinander abgegrenzt, in eigens dafür vorgesehenen Gruppenarbeitsräumen anzubieten. Hier darf und soll im Gruppenrahmen geredet werden. Hier könnte es lauter werden!

Was nun? Hilfe!: Die Lernberatungen

Selbstverständlich bleiben im selbstorganisierten Lernprozess Fragen offen. Diese tauchen in der Regel auf der individuellen Ebene oder der Gruppenebene auf. Deswegen sollten die Unsicherheiten auch in diesem Rahmen geklärt werden. Dafür stehen kleine Lernberatungsräume zwischen den Lernateliers (vorrangig für individuelle Lernberatungen) zur Verfügung. Rückkopplungsgespräche mit den Gruppen können sowohl im Lernberatungsraum als auch in den Gruppenräumen je nach Situation geführt werden. Unter Lernberatungen verstehen wir Beratungsgespräche mit dem Lehrer aber auch mit Mitschülern, die ihre Lernziele zu diesem Thema bereits erreicht haben. Da sich jederzeit mehrere Kolleg(inn)en mit ihren Klassen in der Lernlandschaft befinden, können die Lernberatungen auch von anderen Kolleg(inn)en angeboten werden.

Reisepläne

Reisepläne

"Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg." (Laozi)

Neue Wege der Unterrichtgestaltung zu koordinieren ist eine spannende Aufgabe. Und eine, die nie wirklich fertig bearbeitet ist. Es gilt, Gutes zu bewahren ohne sich auf den Erfolgen und Konzepten der Vergangenheit auszuruhen. Und es gilt offen zu sein für Neues, aber nicht jedem Trend unkritisch hinterherzulaufen.

Dabei hilft eine klare Vision, die wir von uns und unserer Schule haben und konsequent verfolgen. Diese gilt es, explizit in einem Leibild zu verankern, das das pädagogische Handeln an unserer Schule leitet: Fest im Prinzip und flexibel in der Anwendung. Denn Schule und Unterricht sind zu komplex für einfache und dauerhafte Antworten!

Einige Baustellen für die nähere und weitere Zukunft sind:

Entwicklung eines Leitbildes

Ein Leitbild ist ein Bild, das leiten soll. Es muss also eine große Identifikationskraft haben und deswegen kollegial von "unten nach oben" entwickelt werden. Es muss so konkret sein, dass es handlungsleitend wirken kann und so offen, dass es die pädagogische Freiheit nicht beschneidet.

Wie soll unser Leitbild aussehen? Wie gehen wir vor, um die vielen Ideen, Ideale und Konzepte, die heute schon unsere Schule ausmachen in ein einheitliches Konzept zu gießen? Wie stellen wir sicher, dass unser Leitbild gelebt werden kann?

"Personalisiertes Lernen"

Das "personalisierte Lernen" macht als neues Schlagwort die Runde. Befeuert wird es durch die Ankündigung Mark Zuckerbergs dieses Lernen zu fördern. Natürlich spielt dabei Software eine große Rolle.

Welche Chancen und Gefahren sind mit dem "personalisierten Lernen" für uns und unsere Schüler(innen) verbunden? Wie wird die Digitalisierung die Schule und das Lernen verändern? Wie gehen wir mit diesem Megatrend um?

Architektur

Die Räume einer Schule wirken als "Dritter Pädagoge" (der erste sind die Schüler selber und der zweite ist die Lehrkraft). Sie sollten also so gestaltet sein, dass das Lernen in diesen Räumen durch die Raumgestaltung unterstützt wird. Dies ist bisher nicht immer der Fall, wie unter anderem dieser Artikel der ZEIT zeigt.

Lesen sie hier Expertenmeinungen zur Architektur einer Schule:

- Der Klassenraum der Zukunft ist eine kreativ-variable Lernbühne

- Pädagogische Architektur  

Wo gibt es bei uns Handlungsbedarf? Wie gehen wir mit dem Investitionsstau um? Welche pragmatischen Lösungen gibt es, um modernen Unterricht in alten Räumen zu machen?